Frage: (von Christoph am 25.08.04)

Ist Dein Dodge eigentlich genau das Modell aus dem Film oder nicht ?

 

Also, erinnern wir uns noch mal an die denkwürdigen Verfolgungsjagd-Szenen im Einkaufszentrum - die Jungs vorweg und die gesammelten Bullen hinterher.Im Laufe der Szene fahren die Blues Brothers auch in das Schaufenster eines Autohändlers und der Kommentar von Elwood ist in etwa: „Der neue Oldsmobile ist früh‘ rausgekommen dieses Jahr !“

 

In den Jahren zwischen ca. 1965 und 1980 und teilweise auch noch darüber hinaus gehörte es zum guten Ton amerikanischer Autohersteller, jedes Modell jedes Jahr zu überarbeiten. Wobei das nicht gleichzusetzen war mit technischer Weiterentwicklung. Vielmehr ging es darum, den Kunden Innovation vorzugaukeln, indem die Karosserieformen mal mehr, mal weniger retuschiert wurden. Unter dem ganzen Blech blieb oft alles beim alten.

Die Blues Brothers bewegen im Film einen DODGE Monaco, Baujahr 1974. Dieses Model diente in den USA sehr vielen regionalen Polizeieinheiten als Basisausstattung. Üblicherweise waren die Polizeiautos mit den stärksten Motoren der Chryslerpalette ausgerüstet, den 440cui Big Blocks. Je nach Produktionsjahr lag die Leistung dieses Hubraummonsters (umgerechnet 7,2 Liter) zwischen 195 und 260 SAE-PS (europäische Werte etwas geringer, da unterschiedliche Meßmethoden zum Einsatz kommen). Das Drehmoment lag zwischen 350 und 550 Newtonmetern. Als Getriebe kam für solche Power nur das erprobte A727 Torqueflite 3-Gang-Automatikgetriebe in Frage; an Schaltgetriebe war gar nicht zu denken.

Zu den Police-Sonderausstattungen gehörten Lightbar (Blau- und Rotlicht auf dem Dach), ein Blinkmechanismus für die Frontscheinwerfer bei Alarmfahrten, ein Funkgerät mit Durchsagefunktion für die Außenlautsprecher („... nur heute Nacht im Palacehotel-Ballroom...!!“) und ein Suchscheinwerfer. Gerne genommen wurden auch die Ramm-Stoßstangen vorne.

Die Lackierungen waren regional unterschiedlich. Im Film wird regelmäßig vom Mount Prospect Police Department gesprochen. Übrigens wirbt die lokale Polizei auch heute noch mit den Worten „Home of the Bluesmobile“(siehe Bild oben). Die Aufschrift auf den vorderen Kotflügeln ist „To Protect and to Serve“, also in etwa „Beschützen und Sichern“; die vorderen Türen tragen einen Stern mit den Bezeichnungen des Heimatabschnitts der Polizei, die hinteren einen Ordnungshinweis (im Film „P1“). Kotflügel, Haube und Kofferraumdeckel schwarz, Türen und Dach weiß. Wichtig: Felgen ohne Radkappen.

Unser Auto ist nicht das Modell aus dem Film. Es ist ein DODGE Royal Monaco, Bj. 1977, wiederum nicht zu verwechseln mit dem DODGE Monaco 1977. Die Karosserie unseres Royal Monaco baut auf dem gleichen Rahmen auf wie der 1974er Monaco, nämlich ein „C-Body“-Rahmen. Im Chrysler-Jargon spricht man auch von einer „Full-Size-Karosserie“. Unser Wagen wurde als zivile Limousine mit einem 400cui-Motor ausgeliefert (ca. 6,9 Liter Hubraum). Als Fahrgestellnummer (V.I.N.) ist die DN41N7D244370 vermerkt. Der letzte Vorbesitzer hat seiner Kreativität also einigen Lauf gelassen und ein „Customizing“, eine Individualisierung, durchgeführt.

Zunächst befand er den Motor als zu klein und zu schwach und transplantierte eine 440cui-Maschine aus dem Jahr 1978. Anpassungen waren kaum nötig, da das Chrysler-Baukastensystem auf verschiedene Motoren ausgerichtet ist. In den nächsten Tagen werden wir feststellen, ob er den 440er wie versprochen bereits überholt hat. Wir müssen den Motor nämlich wohl öffnen, da derzeit nur 7 von 8 Zylindern ihren Dienst tun. Es dürfte sich um ein durchgebranntes Ventil handeln.

Als Gimmick ist eine Lachgaseinspritzung installiert, die allerdings noch nicht in Betrieb gewesen sein soll. Ein weiteres Problemkind ist zur Zeit das Getriebe, da es nur äußerst widerwillig schaltet und kaum zum Einlegen der dritten Fahrstufe zu bewegen ist. Zudem ist die Frontscheibe ein wenig undicht, es regnet schon mal rein.

Die Lackierung entspricht dem amerikanischen Qualitätsstandard; d.h.: Roststellen, Spachtel und andere Nachlässigkeiten am Blech werden einwandfrei überdeckt. Die Aufbringung ist nicht so schlecht. Als Beschriftung hat sich unser Vorbesitzer Folgendes ausgedacht: Kotflügel vorne: „To find and Preserve“ was soviel heißt wie „Finden und aufbewahren“ im Sinne der Oldtimerei. An der Tür ein Chrysler-Stern mit der Aufschrift „MOPAR-POLICE“. Der Begriff MOPAR bezeichnet in diesem Sinne alle Fahrzeuge aller Marken des Chrysler-Konzerns (Chrysler, Dodge, De Soto, Imperial und Plymouth), die in den 60ern und 70ern hergestellt wurden. Auch heute denkt der autoverliebte Amerikaner beim Begriff MOPAR immer noch sofort an Chrysler und eben nicht an Ford, Cadillac oder Chevrolet. Auf den hinteren Türen das üblich „P1“ und auf den hinteren Kotflügeln augenzwinkernd „S.A.M.-Save a Mopar“ und die E-Mail-Adresse des Vorbesitzers.

Wir, the faboulos Mr. Ohm (Holgi) und ich, werden den Wagen bei Auftritten mit unserer Mobildiscothek einsetzen. Im Programm ist schon lange eine Playback-Nummer zu „Everybody needs somebody“. Und jetzt eben auch noch mit Auto. Ansonsten cruisen wir ein bißchen rum, ihr wisst schon, von Eisdiele zu Eisdiele und so.

Wir haben auch schon einen Freund zu seiner Eheschließung transportiert (mit zugehöriger Braut natürlich) und wollen noch das ein oder andere Vermarktungs- oder Erinnerungsfoto schießen.

Nach Fragen ? Mail to: technik@bluesmobil.info 

 

Frage: (unausgesprochen, aber trotzdem beantwortet)

Wie ging das bei Dir eigentlich los?

Teil 1:

Ich glaube, es war 1983 ... in der Garage eines Kumpels haben wir uns getroffen. Und Videofilme angeschaut. Damit fing alles an ...

Mein Name ist Jens Strebe, und ich liebe schwarze Krawatten, schwarze Anzüge und schwarze Sonnenbrillen. Und ich liebe diesen Film, in dem so geniale Musik gespielt wird. Den Film, in dem soooo viele Autos verschrottet werden. Den „Blues Brothers“ Film.

1983 war ich 14 Jahre alt, Videofilme waren ganz neu und “Blues Brothers” war in irgendeinem Kino von irgendeinem Vorführer, den irgendeiner kannte, von der Leinwand abgefilmt worden. Der erste Eindruck war bleibend!

Seit dem Jahr 1985 habe ich regelmäßig (bis heute) mein Taschengeld als Mobil-DJ aufgebessert. Immer wieder konnte und kann ich die Gäste mit Musiktiteln wie „Everybody needs somebody to love“ begeistern. Egal, welcher Anlaß gefeiert wurde, egal, wie alt die Gäste und Gastgeber waren, diese Musik war und ist zeitlos.

Mein 18. Geburtstag war der Startschuß zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr. Zunächst mit Mutters Opel Corsa, später dann mit (m)einem sehr unspektakulären VW Polo Coupe. Irgendwann zu der Zeit muß mich dann irgendwie der Oldtimer-Bazillus befallen haben. Mein Traumwagen war (erblich bedingt, wegen Opa und Mama) eine Opel. Aber so’n Rekord oder Ascona C irgendwie dann doch nicht. Am besten was großes, einen Diplomat B zum Beispiel. Dafür war die Zeit jedoch noch nicht reif und als Behelf mußte ein anderer Oldie her. Es wurde schließlich ein Ford P7b 17M 1800S in dunkelbraun. Also ein Oldie (Bj. 1971), deutlich größer als ein VW Polo und - sogar ein 6-Zylinder! Aus erster Hand. Aber das ist eine andere Geschichte. Nämlich die Geschichte von Dornröschen.

... to be continued !

 

 





WKR090307

www.bluesmobil.info